Wie die Welt für mich ist

Nur eine Frage meiner Erfahrungen? Gerade habe ich mich mit einem Freund darüber unterhalten, wie er und wie ich die aktuelle Situation sehe. Warum verhalten sich die Menschen so, wie sie es gerade tun? Einig waren wir uns, dass wir sie sehr unterschiedlich sehen. Er ist der Überzeugung, dass man die Menschen nicht ändern kann, dass sie weiter denken werden, wie sie eben denken. Das sehe ich ganz anders, ich denke nämlich, dass die Menschen anders denken lernen würden, wenn sie die Notwendigkeit dafür erkennen würden.

Die Welt ist ja erst einmal, wie sie ist. Die Frage ist nur, wie ich und er sie wahrnimt. Wir interpretieren sie ganz offensichtlich unterschiedlich. Doch warum ist das so? In der Natur (ohne Menschen) regelt sich das Leben ganz von alleine. Durch Selbstorganisation im Kontext der Rahmenbedingungen. Bei uns Menschen ist das ganz anders, wir sind dank unserer Art zu denken in der Lage, uns regelrecht dagegen zu stellen. Warum das so ist, weiß ich nicht.

Wir sind, und zwar wirklich alle, gedanklich in der Lage, uns gegen das zu stellen, was stimmig wäre. Und das tun wir auch dann, wenn es richtig wäre, wir das aber nicht sehen. Wir Menschen haben uns eine gedankliche Welt geschaffen, in der wir leben. Die Welt, wie sie wirklich ist, können wir nicht mehr sehen. Wir sehen, hören, riechen alles durch die Brille unserer Gedanken und nicht mehr, wie es tatsächlich ist. Und zwar ausnahmslos.

Das heißt, wir nehmen die Welt nicht unmittelbar wahr, sondern wir interpretieren unsere Wahrnehmung durch das, wie wir darüber denken. Und das lässt meinen Freund und mich die aktuelle Situation so unterschiedlich wahrnehmen. Doch eines haben wir beide, nämlich die Überzeugung, dass es so ist, wie wir eben denken. Nur diese Überzeugungen passen nicht zusammen.

Die spannende Frage ist, warum denkt er so, wie er denkt und warum denke ich ganz anders? Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand: Es sind unsere unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen, die wir in unserem Leben gemacht haben.

Gerade habe ich einen Interview mit Armin Grunwald gelesen. Er ist Physiker und Philosoph. Interessant fand ich seine Antwort auf die Frage, „Wie ließe sich dieses Bewusstsein, dass alles auch anders laufen könnte, entwickeln?

Er meinte, „Aus der Geschichte zu lernen ist nur, dass die Menschen nicht aus der Geschichte lernen, sagen manchmal die Historiker etwas resigniert. Aber es hilft ja nichts. Den Anspruch zu lernen können und dürfen wir nicht aufgeben. In meinem beruflichen Umfeld, und soweit ich auch öffentliche Kreise erreiche, versuche ich, das zu vermitteln. Darüber hinaus habe ich kein Patentrezept.

Und genauso sehe ich das auch. Wir dürfen nicht aufgeben. Wir müssen darüber reden. Keiner kann von sich behaupten, dass er die Welt und damit vor allem die Menschen sieht, wie sie wirklich sind. Wir sehen nur unsere Erfahrungen mit ihnen und, jedenfalls bei mir ist das so, mit mir selbst.

Ich komme aus einer sogenannten intakten Familie, erfolgreich, sozial anerkannt. Alles was man eigentlich so möchte. Doch irgendetwas stimmte nicht mit mir, ich lief nicht ‚rund’. Irgendwann lief ich derart unrund, dass ich das nicht mehr ausblenden konnte und mich gezwungen sah, dem auf den Grund zu gehen, wollte ich nicht komplett untergehen.

Heute laufe ich wesentlich ‚runder‘. Die interessante Frage ist, warum das so ist. Da sind sicher viele einzelne Faktoren, die eine Rolle dabei gespielt haben. Ganz wesentlich aber ist, dass ich schon immer sehr auf Logik gebaut habe. Und da ich auch einmal 6 Semester Physik studierte, also diese Gedanken nicht einfach mit dem Kommentar „Verstehe ich doch nicht“ links liegen ließ, begann ich irgendwann mich mit den philosophischen Gedanken der Quantenphysiker zu beschäftigen.

Es war die Kombination aus Physik und Philosophie, die für mich den Unterschied machte. Die Erkenntnisse der Physiker abzulehnen ist für mich unlogisch, denn es funktioniert ja, was sie sich so ausgedacht haben, was natürlich nicht bedeutet, dass das schon das Ende der Fahnenstange wäre. Aber es funktioniert. Und das gibt den philosophischen Überlegungen in meinem Verständnis eine Grundlage, die nicht aus der Luft gegriffen ist.

Also lasse ich mich auf die fundamentalen Fragen und in der Folge die Philosophie auf Basis der Quantenmechanik ein. Auf diese Weise habe ich gelernt, natürliches und menschliches Verhalten gedanklich nebeneinander zu stellen. Was also funktioniert in der Natur, was in der Gesellschaft nicht funktioniert?

Darauf habe ich leider keine Antwort gefunden, aber eine Ahnung, was die Gesellschaft nicht wie die Natur funktionieren lässt. Und das ist das Denken der Menschen. Was natürlich nicht bedeutet, dass wir alle gleich denken würden. Also untersuchen wir unser Denken. Dialogisch.

Es geht nicht darum klären zu wollen, wer recht und wer unrecht hat, was falsch und was richtig ist, sondern es geht um die Struktur, mit der man denkt. Was bringt mich dazu, etwas als falsch anzusehen, was ein anderer für richtig hält? Das sind die Fragen, die es zu klären gilt, denn nur das kann man klären.

Es ist mein eigenes Denken, das ich immer wieder hinterfragen muss.