Wie gestaltet man Beziehungen?

Nicht nur von Fall zu Fall, sondern grundsätzlich? Üblicherweise hängen die Beziehungen von Männern zu Frauen ja ganz wesentlich davon ab, ob die ansprechend oder eher weniger nett aussehen. Bei Frauen soll das angeblich auch so sein. Also ist die Beziehung zu einer unbekannten Frau oder einem unbekannten Mann ganz wesentlich von deren oder dessen Attraktivität bestimmt, wobei Attraktivität nicht immer nur die äußere sein muss. Aber ich behaupte, das spielt erst einmal die erste Geige.

Wenn das so ist, dann sitze ich in der biologischen Falle, denn dann bin ich ein braver Gefolgsmann meiner Hormone, allenfalls durch Konvention und Erziehung ausgebremst. Doch was, wenn ich mich nicht von meiner biologischen Grundausstattung bestimmen lassen will? Die bereitet uns Menschen in unserer Lebensart und in unserer Welt jede Menge Probleme. „Zurück auf die Bäume“ ist ja keine Option, jedenfalls nicht für mich. Wie also löse ich dieses scheinbare Dilemma?

Die – mögliche – Lösung ist definitiv paradox. Ich muss nämlich nicht danach trachten, der Falle zu entkommen, sondern brauche nur tiefer hineingehen. Wir wissen heute, dass Beziehungsstrukturen nicht nur durch die Wechselwirkungen der materiellen Bausteine definiert werden. Es beginnt damit, dass

Materie nicht aus Materie zusammengesetzt ist. Die Vorstellung, dass die Substanz, also die Materie, das Primäre sei und die Beziehung, also ihre Relationen, Form und Gestalt, das Sekundäre ist, ist leider irrig. Tschüß klar geordnete, wohl definierte und damit berechenbare Welt! Was nicht bedeutet, dass die Welt unberechenbar wäre. Man muss sie nur anders denken.

Die moderne Physik dreht die Rangordnung um: Form vor Stoff, Relationalität vor Materialität. Doch es fällt mir noch immer ausgesprochen schwer, mir reine Gestalt und reine Beziehungen ohne einen materiellen Träger vorzustellen. Doch diese mechanische Sichtweise habe wir (leider) auch auf uns selbst und unsere Beziehungen projiziert. Und damit haben wir den biologischen Trieben Vorrang vor der Gestaltung der Beziehungen gegeben. Wir Menschen (Entschuldigung für diese Pauschalisierung) folgen unseren biologischen Trieben, ohne dass wir sie gestalten würden.

Und genau deswegen haben die Menschen in den Gesellschaften immer wieder versucht, den Trieben Grenzen zu setzen und Regeln vorzugeben. Doch das konnte auf Dauer nicht funktionieren, weil wenn man diese Triebe als gegeben und eben nicht als gestaltbar ansah. Dann entsteht nämlich eine unüberwindbare Sperre im Denken. Man steht sozusagen im Dunkeln, weil man einfach nicht weiß, dass es ein Licht gibt und man nur den Schalter betätigen müsste. Das Licht, das ich und jeder andere natürlich auch einschalten kann, ist nichts anderes als Bewusstheit. Der Schlüssel liegt darin zu verstehen, dass wir Beziehungen durch unsere Wahrnehmung, unsere Kommunikation und unsere Absichten gestalten.

Man muss einfach nur sehen, dass es so ist und schon ist es möglich!