Wie kann es weiter gehen? 

Und wenn wir es wissen, was ist dann zu tun?

Gus Speth ist Professor für Umweltpolitik und Nachhaltige Entwicklung an der Yale University in New Haven (Connecticut), einer der renommiertesten Universitäten der Welt. Er war Chefberater der Nationalen Umweltkommission unter den US-Präsidenten Jimmy Carter und Bill Clinton. Aber erst jetzt ist bei ihm der Groschen gefallen. Habe ich jedenfalls gelesen.

In einem Interview mit der New York Times kommt Speth, der über Jahre hinweg in wichtiger Position vor einem drohenden Ökozid gewarnt hatte, zu einer nicht gerade ermutigenden Erkenntnis.

Früher dachte ich“, so sein deprimierendes Statement, „dass die größten Umweltprobleme der Verlust der Artenvielfalt, der Kollaps der Ökosysteme und der Klimawandel wären. Ich dachte, 30 Jahre gute Wissenschaft könnte diese Probleme angehen. Ich habe mich geirrt. Die größten Umweltprobleme sind Egoismus, Gier und Gleichgültigkeit, und um mit ihnen fertig zu werden, brauchen wir einen kulturellen und spirituellen Wandel. Und wir Wissenschaftler wissen nicht, wie man das macht.“

Das kommt davon, wem man Symptom mit der Ursache verwechselt. Leider kann ich nicht sagen, welche Wissenschaftler Speth in seinem Gedanken gemeint hat. Ich denke nämlich, dass er nicht alle gemeint haben kann. Aber erst einmal von vorne.

Wenn er von einem ‚kulturellen und spirituellen Wandel‘ spricht, dann meint er sicher einen ernsthaften und nicht dieses oft anzutreffende Mainstream-Gelaber mit gaaanz vielen süßen Smileys, die ich überhaupt nicht abkann. Es sagt sich leicht „Alles ist eins“, doch das auch wirklich bewusst zu leben ist eine ganz andere Hausnummer.

Seit nunmehr über 100 Jahren wissen wir definitiv, dass das übliche Weltbild vieler, wenn nicht gar der meisten Menschen immer noch nicht dem entspricht, was wir wissen. Wir wissen nämlich, dass die Welt auf eine ganz andere Art und Weise funktioniert, als wir bisher dachten. Nur machen viele da einen Riesenbogen drumherum, weil sie es entweder für irrelevant oder aber für zu kompliziert halten.

Irrelevant ist es definitiv nicht und kompliziert zu sein hört dann auf, wenn man sich einmal ernsthaft damit beschäftigt. Die Rede ist von den fundamentalen Fragen, die die Quantenphysik aufwirft. Wir wenden dieses Wissen ganz selbstverständlich an, doch wir beschäftigen uns nicht mit den Fragen, die damit in Zusammenhang stehen.

Das, wenn man so will, Problem ist, dass die Quantenphysik sich scheinbar nur auf materielle Dinge wie CD-Spieler, Laser oder Satellitensysteme bezieht. Doch das ist grundlegend falsch. Es bezieht sich sowohl auf materielle wie auf nichtmaterielle Dinge. Dass es dabei um Materie geht darf nicht den Blick dafür verstellen, dass Sie und ich ja auch aus Materie bestehen.

Man sollte sich ernsthaft mit diesen Fragen beschäftigen, etwa mit den Büchern von Natalie Knapp oder dem Buch von Christine und Frido Mann. Eine Pflichtlektüre für jeden, der den Ernst der Situation sieht. Jedenfalls finde ich das. Doch was, wenn man das realisiert hat? Was ist dann zu tun?

Zuerst sollte man wohl aufhören zu meinen, dass die Politik oder die Chefs in der Wirtschaft dafür zuständig wären. Zuständig ist nämlich jeder, wirklich jeder. Nun darf einem Adornos Gedanke, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt, in die Quere kommen. Also richtig leben; heißt das Wissen auch umzusetzen.

Ich persönlich halte ja absolut nichts von irgendwelchen Kriegsmetaphern. Aber „Das Geheimnis von Uruwashii“, also stark zu sein wie ein Samurai, das hat definitiv etwas. Ich brauche mir ja weder ein Schwert noch eine Samurai-Rüstung zu kaufen und auch nicht mit martialischem Getue herumlaufen, um das leben zu können.

Man darf sich nur nicht wie manche von dem scheinbar kriegerischen Auftritt der Samurai blenden lassen, denn tatsächlich sind die Samurai, jedenfalls die, die nach den Prinzipien des Bushido lebten, wahrhaftig friedfertige Menschen.

Sicher ist nur, ohne ein klares Lebenskonzept bleibt es bei einem falschen Leben im Falschen, vor allem dann, wenn die Zwänge des Alltags einen am Wickel haben.

Das Bild habe ich nicht ohne Grund hier eingefügt. Motorradfahren ‚funktioniert‘ nämlich nur dann, wenn man diese Samurai-Qualitäten tatsächlich lebt. Kein Witz. Die Frage ist nur, warum es vielen so schwer fällt, sich das zu bewahren, sobald sie vom Motorrad gestiegen sind.