Wir haben ein ernsthaftes Problem

Nämlich mit uns selbst. Wir Menschen sollten uns endlich einmal darüber Gedanken machen, wie es überhaupt weitergehen könnte. Es ist ja richtig, sich über unseren Umgang mit der Natur aufzuregen. Doch was wir uns da ausdenken und was wir letztlich tun können wird aller Voraussicht nach nur sehr wenig wirklich etwas ändern. Warum ich so denke? Die UNO schätzt, dass vor 2000 Jahren etwa 300 Millionen Menschen auf der Erde lebten. Zur Zeit meiner Geburt, 1951, waren wir schon bei immerhin 2,5 Milliarden angekommen, also 2500 Millionen. Heute sind es knapp 8 Milliarden, 8000 Millionen. Ein wirklicher Siegeszug der Menschheit. Und im Zuge dieses Siegeszuges haben wir unsere bis dahin existierenden „natürlichen“ Feinde so ziemlich in den Griff bekommen.

Die Folge ist, wir stehen zwar nicht vor der Wand, aber vor einem Spiegel. Wie Werner Heisenberg in seinem 1955 erscheinen Buch „Das Naturbild der heutigen Physik“ geschrieben hat, wir werden in Ermangelung unserer bis dahin vorhandenen natürlichen Feinde auf uns selbst zurückgeworfen. Wir werden – und das zwangsläufig – mit uns selbst und unserem eigenen Verhalten konfrontiert. Der Mensch ist sich in Ermangelung einer anderen Spezies, die ihm gefährlich werden könnte, selbst zum Feind geworden; einfach deshalb, weil wir die Freund-Feind-Differenzierung von Bären und Wölfen oder sonstigem Getier auf unsere Mitmenschen übertragen haben. Und diesen Irrsinn halten auch angesichts eines weltumspannenden Wirtschaftssystems sehr, sehr viele noch immer für „normal“.

Damit stellt sich für mich die Frage, ob das Problem No. 1 die Frage ist, wieviel CO₂ wir produzieren, oder ob nicht die Frage viel wichtiger ist, wie wir miteinander umgehen? Denn würden wir kooperativ und damit koevolutinär miteinander umgehen, würden wir das Problem möglicherweise blitzartig lösen. Eine Erfahrung, die ich übrigens in meiner Arbeit als Scheidungsanwalt immer wieder machen konnte. War ein Paar erst einmal in der Lage, sich sachlich über ein vermeintliches Problem zu unterhalten, war die Lösung meist blitzartig da. Das Problem war immer nur das „Nicht-Sehen-Wollen“, nichts sonst. Und so ist es auch aktuell. Das einzige Problem, das wir haben, das ist meines Erachtens, dass wir etwas bei uns selbst nicht wahrhaben wollen.

Das Problem ist, dass wir die Lösung meist beim Anderen, statt bei uns selbst suchen.