Worüber reden?

Kann ich überhaupt sinnvoll über das Relative nachdenken und reden, wenn ich nicht vorher über das Absolute nachgedacht und geredet habe, soweit es mir überhaupt möglich ist? Diese Frage kam mir in den Sinn, als ich einen Artikel über das Phänomen der Zeit las. Die Zeit, sagt die moderne Physik, ist ja nur eine Illusion. Wir Menschen erleben die Zeit aber ganz anders, jedenfalls die meisten von uns.

Wenn ich die Vögel in unserem Garten beobachte, beschleicht mich der Gedanke, dass Tiere und Pflanzen vielleicht viel näher an der Wirklichkeit leben als wir Menschen, einfach deshalb, weil sie in einem ganz anderen Verständnis von Zeit leben. Und ist das vielleicht der Grund, warum unser Hund scheinbar kein Problem damit hatte zu sterben? Dass er einfach ein völlig anderes Zeitgefühl hatte als ich es habe? Jedenfalls denke ich das, denn er hat nie auf die Uhr geschaut. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, dass er das einmal getan hätte.

Vergangenheit existiert ja nur in meiner gedanklichen Vorstellung als Erinnerung. Und Zukunft existiert auch nie, sie ist ja immer nur eine gedankliche Neuinterpretation der Vergangenheit, meist nicht mehr als ein Sammelbecken für das, wie es sein sollte und ich es gerne hätte. Alles nur Gedanken, nicht mehr. Welche Bedeutung aber hat mein Verständnis des Phänomens „Zeit“ für meine Wahrnehmung, mein Erleben und damit für mein Leben?

Ich möchte behaupten, dass sich mein Verständnis von Zeit unmittelbar in meinem Erleben zeigt, genauso wie mein Verständnis von Besitz, warum ich was anhabe, worüber ich beziehungsweise wie ich spreche, was ich gerne esse und so weiter und so fort. Wie ich lebe definiert, was ich überhaupt erleben kann, durch die Gestaltung meines Lebens gestalte ich die Art meines Erlebens.

Und damit sitze ich in einem selbst konstruierten Wahrnehmungskarusell, in dem ich mich zwar schnell bewegen kann, mich gleichwohl nicht wirklich vom Fleck bewege, wenn ich Pech habe. Das Einzige, was mir da heraus hilft ist das eigenständige Untersuchen dessen, wovon ich ausgehe, was also die Basis meiner Argumentation ist, der Punkt, von dem aus sich meine Logik entwickelt, was mir aber sehr selten überhaupt bewusst ist. Etwa, ob Zeit wirklich linear ist. Mein Verständnis von Zeit spielt ja eine Rolle, wie ich meinen Tag erlebe. Gehe ich von einem linearen Verständnis der Zeit aus, gestalte ich meinen Tag entsprechend und damit mein Erleben. Warum aber ticken dann die Uhren in einem Satelliten anders als auf der Erde? Weil Zeit eben nicht linear ist. Also untersuche ich, was Zeit tatsächlich ist und wie sie meine Wahrnehmung und damit meine Erkenntnis beeinflusst und wohl auch verzerrt.

Je weniger ich mir der Wirklichkeit bewusst bin, wie sie wirklich ist, also nicht das, was ich für wirklich halte, weil ich es so erlebe, je weniger ich also über die Wirklichkeit an sich weiß, desto verzerrter ist meine Wahrnehmung und desto weniger kann ich überhaupt erkennen.